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Vintage Look – die Reise nach Jerusalem

We proudly present: unsere neuen alten Gartenstühle.

Viele unserer Kunden suchen nach genau solchen Möbeln, in diesem Zustand. Mit Charme und Lebenserfahrung. Eben Vintage. Original alt mit Gebrauchsspuren. Selten und eher teuer. Weil eben alle sie suchen…

Aus diesem Grund gibt es inzwischen auch die Produktionslinie „Shabby Chic“. Da werden neue Möbel künstlich gealtert. Vor allem in hellen Tönen, denn es gilt ein wenig als „Frauenmöbel-masche“. Vergleichbar mit Mädchenfilmen – die findet man ja auch in jeder DVD Abteilung. Meist wird dabei mit Hilfe von Schmirgelpapier und verschiedenfarbigen Lacken mehr Alter vorgetäuscht, als die Teile wirklich haben. Nicht nur meine Eltern würden fassungslos die Hände überm Kopf zusammen schlagen: die schönen Möbel so zu verunstalten.

Ich kann mich gut daran erinnern, dass ich von meinem Vater lernte, wie man möglichst gleichmäßig, tropf- und streifenfrei lackiert. Mit stunden- , tagelangem Abschleifen und Abbeizen, Rost entfernen, versiegeln, grundieren, vorstreichen und dann endlich ein bis zwei Farbanstrichen.

Gehalten hat es nur ein paar Jahre – dann kam die gleiche Aufgabe wieder auf uns zu. Beziehungsweise gerne auf mich… ich konnte es ja schließlich inzwischen gut.

Und nun kommt Guido mit dieser wirklich tollen Gartengarnitur. Eve meint gleich – „so lassen!“. Doch ich habe keine Lust auf ständiges Verräumen. Und auch wenn sie (teilweise) jetzt genau die richtige Verwitterung haben – der Zahn der Zeit und vor allem des Wetters (sind ja schließlich Gartenmöbel) nagt unaufhörlich. Die bleiben leider nicht so.

Mein Entschluss – ich werde sie alt aussehen lassen und dennoch ein wenig aufmöbeln. Obwohl Guido skeptisch schaut. Aber er hat in vielen Jahren gelernt mir in meinen Projekten so wenig wie möglich zu widersprechen. Bringt nämlich eh nix 🙂

Ausgangssituation Zunächst kommt die Bestandsaufnahme: denn jeder der Stühle hat andere Möglichkeiten und Probleme. Zwei sind wirklich richtig alt, die anderen aus einer späteren Produktion. Zu erkennen an den unterschiedlichen Sitz-Klappvarianten. Die alten haben noch einen Ring am Gestänge der Sitzfläche, der an der hinteren Lehne beim Zusammenklappen nach oben schiebt, die anderen einen Bügel unter der Sitzfläche, der die Füße einklappen lässt. Doch eines ist allen gemein – sie sind echt bequem. 

Denn das ist eine der Hauptursachen für den Vintagewahn (jedenfalls von meiner Seite) – damals wurden die Möbel hochwertig, langlebig und zweckmäßig gefertigt. Und das Stuhl nicht gleich Stuhl ist, kann jeder bestätigen, der schon mal unbequem auf einem hin und her gerutscht ist.

Also – der Rote hat kaum noch Farbe und ist in einem erbarmungswürdigen Zustand, der Hellblaue auch. Allerdings hat er einen älteren grünen Anstrich gehabt, den ich gerne bewahren würde. Beim Grünen ist ein Sitzbrett fast noch zu perfekt, aber auf allen anderen Stellen ist kaum noch Farbe. Der Dunkelblaue hat einen ganz seltsamen Charme durch die Löcher im Lack – bei ihm müssen die Bretter wieder befestigt werden. Und der Gelbe kann eigentlich so bleiben wie er ist -nur wird er das leider eben ohne Konservierung nicht tun…

Stange-StuhlNatürlich muss ich auch überlegen, was ich mit den Metallgestängen mache. Die sind schon sehr unterschiedlich verrostet, obwohl keiner durchgerostet oder gebrochen ist. Und nach meinen jahrelangen Erfahrungen mit dem Gartentor am Elternhaus habe ich ganz sicher keine Lust mehr auf Abschleifen & Co.

Aber seit meiner Kindheit hat sich ja doch auch einiges weiterentwickelt – Farben zum Beispiel. Und so stolpere ich über verschiedene Anbieter von „auf Rost“ -Farben. Entscheide mich für den Marktführer (weil die Tests ihn weit vorne sehen und ich selbst auch schon gute Erfahrungen mit anderen Farben von Hammerite gemacht habe). Mit einer Drahtbürste entferne ich losen alten Lack und auch manche Rostblase und trage dann eine Schicht weißen (einen cremeweißen oder gedeckteren hellen Lack gab es nicht) Hammerite auf. Eigentlich soll man zweimal malen, aber ich möchte ja gar nicht, dass alles neu aussieht – nur, dass es ein paar Jahre einfach im Garten rumstehen kann.

Natürlich gebe ich euch Bescheid, wenn sich was verändert. Sieht auf jeden Fall gut aus. Nicht neu und perfekt, sondern schon etwas verwittert.

Die Lehnen und Sitzflächen des blauen und gelben Stuhls habe ich nur angeschliffen und dann mit einem Holzsiegel eingelassen. Sie sollen sich schließlich möglichst nicht verändern, sondern genau diesen Vintage Look behalten.

Dem roten Stuhl habe ich – nach einem groben Anschleifen – einen kompletten Anstrich mit einer alten roten Acrylfarbe verpasst. Ich weiß gar nicht, ob es die heute noch zu kaufen gibt – so was schleppt mein Mann aus Haushaltsauflösungen an. Seine Kunden wollen es nicht und die ehemaligen Besitzer auch nicht. Daher haben wir einen riesigen Fundus im Keller und kaufen selten neue Farben.

Neu gekauft ist allerdings die Mintgrüne – das ist derzeit Trend und ich wollte schon länger was damit streichen. Also habe ich auch hier zunächst die losen Farbpartikel des dunkelgrünen Stuhl mit einer Drahtbürste runter geholt und dann mit dem hellen Grünton alles übermalt. Trocknen lassen und dann vorsichtig mit einem feinen Schleifpapier auf den alten Farbflecken wieder die dunklen Bereiche raus geholt. Ich finde es gelungen.

Der hellblaue Stuhl hatte (außer kaum noch Farbe) ja auch noch einen grünen Vorstrich. Hier habe ich aus Blau und Weiß ein „französisches Blau“ gemischt. So ähnlich wie die Fensterläden in unserem Urlaub. Und dann partiell eingearbeitet. Weil es sich um zwei Lackschichten in der Vorlage gehandelt hat, habe ich hier nicht mit dem Schleifpapier nachgearbeitet.

Schließlich habe ich auch die „neu“ lackierten versiegelt. Denn ihr erinnert euch: ich möchte sie im Regen stehen lassen können. 

alte-Sitzflächen

Guido ist total erstaunt, wie gut es mir gelungen ist. Speziell der Hellblaue und der Grüne – da hatte er ernsthafte Zweifel, dass ich den schicken Usedtouch verhunze. Habe ich aber nicht ;-)! Nun hat er natürlich gleich zwei bis dreihundertsiebzehn Ideen, was ich für Krempels auch noch alles in der Art machen kann. Mal schauen.

Jetzt stehen sie also alle in unserm Garten und wir spielen eine neue Variante von „Reise nach Jerusalem“… kreisen um die Stühle und testen, welcher wessen Lieblingsstuhl wird. Die Katzen haben sich bereits für den Roten entschieden. Passt auch wirklich hervorragend zum dunklen Fell 🙂

Oder sie sitzen stilvoll auf dem Tisch – dazu demnächst mehr…

Anne

Veröffentlicht in Gewußt wie Krempels

4 Kommentare

  1. […] aber endlich zum Gartentisch. Den habe ich zusammen mit den Stühlen bekommen und gleich als völlig perfekt einstufen […]

  2. […] letzten Sommer habe ich ja viel mit Farben und der Gestaltung und Bewahrung meiner Vintage-Gartengarnitur rum experimentiert. Doch mir gehen jetzt ein wenig die Argumente aus, warum ich nicht für Krempels […]

  3. Ihr Beitrag hat mir sehr gefallen. Sehr ausführlich und leserlich geschrieben. Über mehr würde ich mich sehr freuen weiter so !

    Danke und liebe Grüße Mathilda.B

  4. […] abhalten. Und nun mal ganz davon abgesehen, wie und was ihr alles bepflanzen könnt – viele Gartenmöbel schreien geradezu nach Farbe. Auch hier gilt: schaut doch erstmal, was ihr noch im Keller rumstehen […]

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