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Allerlei zum Rosenkranz – mit eigenem Märchen

Ein Rosenkranz ist mehr als ein zu eng geknüpftes Komboloi* mit katholischem Segen. Er ist täglicher Begleiter und wertvoller Schmuck, eine nicht nur rein mathematische Zähleinheit und handfeste Erinnerung an die Abfolge der Gebete. Zunächst als Paternosterschnur bezeichnet, ist diese Gebetskette die Vorlage des sogenannten Rosenkranzgebetes – meist wird ein Vaterunser von jeweils zehn Ave-Maria und variierenden Glaubenssätzen gebetet.

Warum eigentlich Rosenkranz?

RosenkranzDas rosarium – wie der Rosenkranz auf Latein heißt, hat bis ins 13. Jahrhundert eher wenig mit der Paternosterschnur (was ja auch schon ein schöner Name ist) gemein. Ein rosarium war damals eine literarische Sammlung oder eben auch ganz schlicht „ein Kranz aus Rosen ;-)“ Solchen Blütenschmuck trug, wer es sich leisten konnte. Da Blüten allerdings auch damals nur begrenzt frisch und ganz sicher nicht ganzjährig verfügbar waren, wurden sie gern durch Edelsteine oder Perlen ersetzt.

Als Gabe für Maria krönten Rosenkränze auch deren Haupt und die Vorstellung, dass Gebete sie noch mehr als die Blumen freuen würden, führten schlussendlich zum gebeteten Rosenkranz.

Schön, aber nicht immer schön

… ist so ein alter Rosenkranz, der nicht nur viele Stunden und Gebete auf dem Buckel hat, sondern auch Staub, Schweiß und Dreck bindet.

RosenkränzeAußerdem leiern viele der Schnüre, auf denen die Perlen aufgefädelt sind, im Lauf der Zeit aus und/oder reißen. Es fehlen daher auch immer mal Perlen oder es ist nicht die richtige Anzahl verknüpft.

Rosenkranz

Aufbau

Bevor frau so einen Rosenkranz auseinandernimmt, sollte sie sich natürlich versichern, dass sie ihn auch wieder korrekt zusammen bekommt. Das habe ich spätestens in meiner Uhrmacherlehre gelernt, wenn mein Meister mich so seltsam ansah, wenn ich irgendein Teil übrig behielt….und selbst wenn es ein einziges mini Schräubchen war.

Der Rosenkranz besteht grundsätzlich aus einem Kreuz und 59 Perlen. 50 kleinere Perlen und fünf größere. Eine der Großen davon verbindet drei kleine Perlen, eine größeren und das Kreuz.

Rosenkranz Aufbau

Und wer wissen will, wie man ihn mit allen Details richtig betet – bitte schön!

Schritt für Schritt

Zu Beginn muss der Kranz ganz auseinandergenommen werden. Meist ist die Schnur so mürbe, dass sie zerfällt. Wenn nicht – einfach durchschneiden.

Rosenkranz Auseinandernehmen Wir reinigen die Perlen und Schmuckteile in einem Ultraschalbad, dem wir allerdings ausschließlich warmes Wasser und einen Spritzer Spülmittel zufügen. Danach dürfen sie über Nacht auf einem trockenen Tuch ausgebreitet trocknen.

PerlfädelbrettDie wenigsten werden ein Perlfädelbrett haben – doch wer, nutzt es natürlich gern. Denn so bleiben die Perlen in der richtigen Anzahl und Reihenfolge und kullern nicht rum. Als Ersatz kann ein größeres, glattes Tuch dienen – auch das hindert kleine Gegenstände am ungezielten und gezielten Abhauen.

Perldraht

Wichtig ist das Garn. Je nachdem, wie groß das Loch in den Perlen ist, kann es dicker oder dünner sein. Es gibt extra reißfeste Perlgarne, die sogar am Anfang eine Metallnadel haben. Ansonsten kann man aber auch Nadeln aus dünnem Draht drehen und Zwirn nehmen.

Die Perlen werden schließlich wieder in der richtigen Reihenfolge und Mischung aufgefädelt, am Kreuz und an der Verbindungsstelle zur Kette werden Knoten platziert. Fertig ist der alte neue Rosenkranz.

Ein eigenes Rosenkranz Märchen

Meine schweizer Freundin Regula Zellweger hat es sich nicht nehmen lassen, mir eigens für diesen Krempelsbeitrag ein Märchen über Rosenkränze zu schenken. Das sie natürlich selbst erdacht hat. Und das ihren feinen humorvollen Blick auf das Leben bestens widerspiegelt. DANKE

Rosenkränze

Es war einmal eine Köhlerstochter. Ännchen lebte mit ihren Eltern im Wald und war glücklich, bis zum Tag, an dem sie zum Religionsunterricht ins Dorf musste. Die drei reichen, gut gekleideten Bürgerstöchter, die mit ihr den Unterricht besuchten, lachten sie aus und verachteten sie.

Die Mädchen mussten lernen zu beichten. Die Bürgerstöchter wussten immer eine Sünde zu erzählen und bekamen vom Priester die Strafe, mehrere Rosenkränze zu beten. Sie nahmen dies wörtlich und liessen sich die schönsten Rosenkränze mit Perlen und Edelsteinen schenken. Jede hatte bald eine Sammlung der kostbarsten Stücke.

Ännchen aber konnte keine Sünde beichten, was den Priester masslos ärgerte – denn er hörte leidenschaftlich gern Beichtstorys, weil er ja keine entsprechende Magazine lesen durfte.

Ännchen beschloss, eine Sünde zu beichten. Schon lange hätte sie gern gewusst, was es bedeutet: «Du sollst nicht nach dem Weib deines Nächsten verlangen,»
Also sprach sie bei der Beichte: «Ich habe nach dem Weib meines Nächsten verlangt.» Der Priester verlangte Genaueres – und als Ännchen nichts erklären konnte, bekam sie eine Strafe fürs Lügen. 10 Rosenkränze!

Die hatte sie aber nicht. Also flocht sie an jedem der nächsten Tage einen Kranz aus wilden Rosen, Wiesenblumen und duftenden Kräutern und brachte ihn zur Kirche.

Der Zufall wollte es, dass just in dieser Zeit ein Prinz diese Kirche besuchte und Gefallen an den Rosenkränzen fand. Er wartete, bis Ännchen mit einem Kranz erschien und bot ihr an, als Hoffloristin auf seinem Schloss zu arbeiten und zu leben.

Es kam, wie es kommen musste. Ännchen verliebte sich in den Gärtner, mit dem sie ihre Freude an der Natur und den Blumen teilen konnte – und die beiden heirateten und lebten fortan glücklich als Hoffloristin und königlicher Gärtner am Königshof.

Die eitlen Bürgerstöchter aber mussten einen strohdummen Prinzen, einen militärischen Major und einen geldgierigen Steuerkommissär heiraten und lebten viel zu wohl behütet unglücklich bis an ihr Lebensende.

von Regula Zellweger – www.altwerden-später.blog

Rosenkranz

Und nein – ich bin nicht das Ännchen aus dem Märchen 😉 Also glaube ich…

*ein Komboloi ist eher ein Männerspielzeug – obwohl es auch manche zum Beten nehmen 🙂

Anne

Veröffentlicht in Sammlerstück

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