Spitze unterscheidet sich generell von Stoff und Stickerei durch die Löcher. Spitze ist also eigentlich die Kunst, viele einzelne Löcher ästhetisch miteinander zu verbinden und dabei eine Idee von Stoff zu gestalten 🙂 Der Ursprung soll in Italien liegen und über Spanien und Frankreich ganz Europa erobert haben.
„Die Herbstzeitlosen“
Nein, natürlich meine ich nicht die giftigen, zartlila Blumen. Sondern den wirklichen zauberhaften Film aus der Schweiz mit gleichem Titel. Er erzählt die Geschichte einer 80jährigen, die nach dem Tod ihres Mannes den alten Tante Emma-Laden in ein Fachgeschäft für Dessous umwandelt. Hier bin erstmals über den Begriff „Lingerie-Boutique“ gestolpert. Dahinter verbirgt sich echte Spitzen-Kunst 😉
Deckchen oder doch Dessous
Dessous aus Spitze sind gefühlt „schon immer“ angesagt. Gerade der Layering-Look (also das Tragen mehrerer Schichten, die sich gegenseitig unterstreichen und irgendwie, irgendwo rausschauen) zeigt, wie wunderbar Spitze auf Haut wirkt. Jungs bekennen sich heute zu Marken und Mädchen lassen erste Blicke darauf zu, was sich unterm Strickpulli verbirgt…
Deckchen sind dann doch eher was für die ältere Generation – wobei gerade beim Selbstnähen so manches Deckchen neue Verwendung finden kann… Selber Nähen – Puppenkleider, Unikate mit Pfiff
Und es gibt durchaus Decken, die selbst mich begeistern – aber die sind halt nicht klein und rund und weiß, sondern bestechen durch Nadeltechnik (und Farbe ;-).
Spitze erobert die Welt
Eigentlich waren Spitzen seit dem 15./16. Jahrhundert der zierliche Rand, der Abschluss einer Näharbeit, die saubere Kante. In Flandern wird Spitze als „Kant“ bezeichnet. Im Kantcentrum in Brügge findet ihr daher Inspiration und Hintergründe. Ganz zeitgemäß On- und Offline.
Je nach Region sind im Laufe der Jahre unterschiedliche Techniken (bis zu 40) und Garne zum Einsatz gekommen.
Die Klöppel-Grundschläge sind weltweit gleich: Eine Drehung und eine Kreuzung ist ein Halbschlag, zwei unmittelbar aufeinander folgende Halbschläge – ihr ahnt es schon – werden zum Ganzschlag. Ein weiterer Grundschlag ist der Leinenschlag – bei ihm wird gekreuzt, gedreht und gekreuzt. Und wie es dann weitergeht ist wirklich Geschmackssache…
Es waren häufig begrenzte Regionen, in denen geklöppelt wurde – berühmt sind Honiton in England, Tøndern in Dänemark, Le Puy in Frankreich, Brüssel und Brügge (Flandern) in Belgien, so wie Venedig und Mailand in Italien. In Deutschland knoten die Frauen besonders erfolgreich im Erzgebirge, Franken und Teilen Niedersachsens. Klöppeln kommt übrigens als Hobby gerade richtig in Mode und breitet sich weltweit aus.
Die Spitzenherstellung wird aufwendiger (und teuerer), je feiner das verwendete Garn ist, je mehr Spulen im Einsatz sind und je größer die Fläche wird. Es stehen Leinengarne (gewachst oder nicht), verschiedenste Baumwollgarne, Seide und Synthetik zur Verfügung, je nach Stil und Feinheit der Arbeit. Beim modernen Klöppeln wird auch Draht, Paketschnur oder Gras verknüpft.
Geklöppelt oder nicht
„Echte“ Spitze ist geklöppelt oder genadelt. Punkt. Viele versuchen – gerade auch in Belgien und dem Internet mit industriell gefertigter Spitze die Idee von Spitze erschwinglich zu machen. Aber ganz ehrlich – lieber weniger und dafür dann handwerkliche Perfektion mit kleinsten Macken. Darin unterscheidet sie sich von der industriellen, die einfach zu perfekt und glatt ist, um einen Spitzenplatz beim Charme zu gewinnen… schließlich würde man sich ja auch keine Gardine umhängen wollen, oder?!
Flächige Spitzen (wie für Schleier) bestehen oft aus kleinen geklöppelten Ornamenten, Blumen und Motiven, die auf einen Trägerstoff gesetzt werden. Auch hier gilt, je feiner, desto wertvoller (und schöner).
Klöppeln
Beim Klöppeln wird auf einer weichen Unterlage, z.B. einem Klöppelkissen
mit Hilfe von Holzkegeln, Fäden und Nadeln ein Muster geknotet. Auf dem Kissen ist meist eine Art Grundplan, der sogenannte „Klöppelbrief“ befestigt, der das Muster zeigt. Dort hinein stecken die Frauen dann Nadeln und führen die Fäden mit Hilfe der Holzkegel um die Nadeln und die anderen Fäden herum.
Nadeln
Dies ist die Urform der Spitzenproduktion. Aus einem Stück Stoff werden Fäden gezogen und die übrig gebliebenen Fäden werden dann mit Fäden umwickelt/umstickt. So reihen sich Löcher und Stege aneinander und bilden die Muster. Auch das spannen einiger Grundfäden (statt des Entfernes aus fertigem Stoff) war gebräuchlich. Das Nadeln ist sehr zeitaufwendig, Klöppeln war schon die flottere Variante und Weiterentwicklung.
Häkeln
Mit Hilfe einer Häkelnadel wird das Aussehen der „Nadel-Spitze“ nachgeahmt. Nicht nur in Irland haben einige Frauen mit dieser Technik hervorragende Spitzen gefertigt. Geht natürlich aufgrund der Häkeltechnik schneller als Nadeln. Und hässlich ist es wirklich nicht!
Richelieu Stickerei
Da kommen wir noch weiter von der Spitze weg – hübsch ist es ja trotzdem. Und Löcher hat es halt auch 😉
Aber ich werde es dennoch in einem Stickerei-Beitrag erklären. Kommt demnächst!
Brüssler (eigentlich wohl belgische) Spitze
Natürlich denkt jeder irgendwie bei Brüssler Spitze sogleich an eines der aufwendigen Hochzeitskleider des europäischen Adels oder eines Hollywood Stars. Mit Brüssler Spitze (und zwar alter) schmückten sich Grace Kelly in Monaco und Prinzessin Diana (die es ein wenig übertrieb…). Auch heute wird die Spitze nicht nur für den Schleier verwendet, wie man bei William und Kate sah. Grundfarben für Spitze sind traditionell weiß, creme und schwarz.
Wer ein wenig in Hochzeitsspitze und -kleidern schwelgen will, findet hier und hier Inspiration.
Ich fand es aber noch viel witziger, bei meinem Aufenthalt in Brüssel zu erfahren, was diese seltsam geformten Spitzen-Deckchen für einen Einsatzbereich haben: sie servieren Brötchen 😉
Der größte Teil der Brüssler Spitze wurde früher in Brügge gefertigt. Geht man von rund 47.000 Spitzenklöpplerinnen in Flandern aus, so lebten und werkelten fast 33.000 davon in Brügge. Einem Städtchen, dass auch in Sachen Pralinen ziemlich weit vorn ist…
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