Überfangglas – ein echter Hingucker im knalligen Schaufenster

Gerade wenn es draußen so schmuddelig, grau und kalt (oder doch schon wieder warm) wird, bringen wir mit unserem Schaufenster gerne ein wenig Farbe in den Ort. Der pink lackierte Pfauenstuhl (Emanuel lässt grüßen 😉 wird von bunten Vasen, farbenfrohen Tulpen und einigem lustigen Schnickschnack umrundet. Das Highlight ist diesmal sicherlich das große Überfangglas…

Mit einer Höhe von 30 Zentimetern stellt es die kleinen Gläser gleicher Herkunft locker in den Schatten. So eine Vase muss eigentlich solitär stehen – also ganz allein – damit die Pracht so richtig zur Geltung kommt.

Und es passen viele Blumen rein. Üppig statt schlicht ist hier das Motto 🙂

Das Glas stammt natürlich aus Böhmen. Schließlich haben sich die Glashütten dort einen hervorragenden Ruf in der Veredelung von Gläsern erarbeitet – im 19. Jahrhundert.

Doch die Technik die diesen Gläsern zugrunde liegt ist viel älter, geht mit den Portlandvasen in die Zeit der Römer zurück. Aber die Geschmäcker ändern sich und so gerieten die Überfanggläser in Vergessenheit. Bis sie im 18. Jahrhundert in Ostasien und im 19. Jahrhundert dann in Europa wieder sehr beliebt wurden. 

Die Erfindung des böhmischen Kreideglases im 17. Jahrhundert ist Voraussetzung für dickwandiges Glas in dem ein tiefer Schliff möglich war. Das Glas war hartes Bleikristall, im Gegensatz zu dem weicheren englischen Kristallglas.
Quelle: www.schoene-alte-glaeser.de

Bei einem Überfangglas besteht das Glas aus mehreren Glasschichten unterschiedlicher Färbung. Grundlage ist ein Glaskern, der in andersfarbige Glasmassen getaucht wird und dann erst in die fertige Form geblasen wird. Weit verbreitet sind zweischichtige Gläser zum Trinken, die außen blau, rot oder grün durchsichtig sind und dann durch den Schliff oder das Abschälen (in Handarbeit) in die darunter liegende durchsichtige Kristallebene Muster zeigen. 

Unsere Vase hat zwei Farbschichten – innen ist sie rot durchsichtig, außen deckend weiß. Durch den Schliff kommt dann die rote Farbe zum Vorschein und zusätzlich wurde das Gefäß mit bunten floralen Mustern und goldenen Bordüren bemalt. Von wann und wo das Glas genau stammt, kann ich nicht sagen. Es gibt leider keinerlei Stempel. Aber schön ist es allemal.

Und wisst ihr, was ganz seltsam ist: die Sachen kommen immer in Gruppen zu uns. Also nicht eins oder zwei, sondern dann gleich mal zehn. Grund ist, dass es sich meist um Sammlungen handelt die aufgelöst werden.

Da gibt es dann natürlich keine Einzelteile. Aber trotzdem fühlt es sich ein wenig ungewohnt an – erst hat man gar keins und dann weiß ich nicht, wie ich sie alle stellen soll, damit meine Kunden nicht den absoluten Überfangglas-Overload bekommen…

Was dagegen hilft: vorbei kommen und den Gläsern ein neues zuhause anbieten 😉

Links das älteste, ein Biedermeier-Pokal um 1820
Krempels

Krempels

Manche nennen mich Herr Krempels - aber Kunst & Krempel ist nur eine Leidenschaft - weder Name, noch Zustand. Wenn du ebenfalls dieser Leidenschaft frönst, freue ich mich über Fragen und Anregungen.
Gruß Guido
Krempels

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